Dizzy Errol - Motherlamp

Motherlamp Preis: 10 EUR CD in den Warenkorb
Mehr von Dizzy Errol:

Jedes Kind weiß was geschieht wenn Aladdin an seiner Wunderlampe reibt. Das verdampfende Öl verdichtet sich zu Rauchschwaden bis in dieser urstrudeligen Wolke ein mächtiger Geist erscheint, und Aladdin wird zunächst ganz hübsch erschrocken sein über diesen unheimlichen Dschinn. Zum Glück handelt es sich um einen guten Geist, einer der einfach sehr gut über die Kultur des Spektakels und über die Notwendigkeit des effektvollen Auftritts Bescheid weiß. Dizzy Errols Debüt-Album beginnt mit einer logarhythmischen Zauberspieluhr im Zeitraffertempo und springt uns mit einem nachtschwarz rumpelnden Riff an. Der Schreck ist da und steht auf großer Bühne. „We are nervy little dogs and we’re barking so loud – cause we need to be proud“ – mit einer Tierpsychologischen Textformel reduziert Dizzy Errol sich selber und uns aufs Triebhafte und fährt erstmal nackt durch die Geisterbahn. Ganz klar: Dieser Dschinn verkündet mit großer theatralischer Geste nüchterne Betrachtungen und innere Zustände, schonungslos aber fabelhaft in der Deskription. Märchenonkel und Wahrsager, ein Narr der nicht den Mund halten kann. Haben wir erst einmal dieses Riff der Angst umkurvt, erwartet uns etwas was ich gerne und freudestrahlend als naive Musik bezeichnen möchte. Ein Kompendium aus psychological, physiological und biological Songs voller Melancholie und Euphorie, minimalistisch und streng in der Struktur, bunt gescheckt im Farbverlauf. Wir wabern durch mistery pop um in immer wärmere Schichten zu gelangen bis uns in der Mitte der Lampe angekommen Dizzy Errol seine liebenswerte Botschaft enthüllt: Habt ein Herz für den lonesome, poor and old Mr.Grey! Nun ist es kein Geheimnis mehr: der nervös bellende Dizzy Errol ist ein guter Geist. Als Erol Dizdar auf einem Schiff im Hafen vom australischen Melbourne geboren, soll er sich gleich eingangs dem türkischen Vater und der deutschen Mutter als derart stimmgewaltiges Naturschauspiel gezeigt haben, dass der Legende nach die gesamte Besatzung nächtelang um den Schlaf gebracht wurde. Das Englische sollte ihm aus der australischen Kindheit erhalten bleiben. Auch als ich ihm das erste Mal in einem antiautoritären Jugendtreff in München begegnete fielen sofort sein lauter Auftritt und Ausdruck im Sprechen und die ursprüngliche kindliche Euphorie auf, alles schien ein großer Spaß zu sein. Mit großer, altmodischer Geste und der Oberfläche eines um ordentliches und gepflegtes Aussehen bemühten Clochards grenzte er sich markant von den Punks, Hippies und übrigen Alternativos ab. Dieser Mann schwärmte von den Malern der Neuen Sachlichkeit, der Musik von Carl Orff und De La Soul, Syd Barrett und Robert Fripp, David Byrne und David Bowie und davon dass eine Straßenlaterne das strahligste Ding der Welt sei, dieser Mann war real und camp. Dazwischen liegen nun 13 Jahre und immer wieder Verblüffung und Staunen über das Wunderkind und den Außenseiter, der eines Abends im Münchener Atomic Café den DJ mit einer spontanen „Trans-Europa-Express“-Beatbox überflüssig machte, zu Techno-Raves stundenlang tight Schlagzeug spielte, Bühnenmusik für die Stadttheater quer durch die Republik entwarf, oder Konzerte als Vorgruppe von Franz Ferdinand mit der Krautbeatgruppe Kamerakino gab. Dizzy Errol ist der Mann hinter „Ferienwohnung“, jener verschrobenen Nummer, die auf der Spex-CD vom September 2003 für Irritation und Begeisterung sorgte. Und Gomma hatten mit Dizzy Errols Interpretation von „If I Gave You A Party“ einen Disco-Clubhit in New York. Es war nicht immer Alles Spaß im Dizzy Errol Land, man sah ihn auf Baustellen und in Druckereien, in der Fabrik, im Altersheim und in der Nachtschicht, und es gab Zeiten ohne festen Wohnsitz. Aber das Spielen war immer da, die Liebe zur Popmusik auch. Das Wegträumen, und Didi und Gogo, die imaginären Freunde aus der Kindheit. Die türkische Tante war es, die einst den Jungen mit der Popkultur der Sixties bekannt machte. Nun ist seine Version von Popmusik auf dem Tisch, es steckt viel drin. Produziert wurde das Album von Albert Pöschl, der bislang etwa für Die Goldenen Zitronen oder Egoexpress mischte, Musik mit Queen Of Japan, Dis*ka oder Blacken The Black veröffentlichte und als Spezialist für den Sound of Munich ebenso wie für die analoge Ästhetik der 60er Jahre steht. „Once there was a boy...“, Ladies & Gentlemen, please welcome Mr Dizzy Errol, den einzigen türkischen Beatnik Deutschlands! Federico Sánchez ("Die Feder aus München")