Das weiße Pferd - San Fernando

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1976 dreht Niklaus Schilling einen wunderbaren Film mit dem Titel „Die Vertreibung aus dem Paradies“. Der Film spielt in München und es gibt dort eine Szene da der Hauptdarsteller einen Beutel voll Juwelen durch die Augen der Bavaria schüttelt und diese auf die Stufen der Theresienwiese kullern lässt, dort wo anno 1810 mit einem Pferderennen die weltgrößte Biermesse eingeläutet wird. Die Bavaria ist eine von innen begehbare Hohlstatue und wer durch ihre Augen blickt sieht diese Theresienwiese wie eine Prärie vor sich liegen.

Die Geschichte von Das Weiße Pferd nimmt Anlauf vom Westen kommend, mit einem Ritt in der Wintersonne über einen Strand der nordafrikanischen Westcoast, immer wieder „Everybody knows this is nowhere“ abspulend, das erste Album von Crazy Horse anno 1969. Oder sie beginnt in Casablanca, mit den Studiolichtern die von der amerikanischen Westcoast in ein Café in dieser Stadt die „Weißes Haus“ heisst flimmern: zum Vierzigjährigen von „Easy Rider“ läuft „They Shoot Horses, Don’t They?“, der Film der imselben Jahr die Oscars absahnte. Oder kommt die Sache erst tags darauf in Rabat ins Rollen, als sich zwischen Songnotizen die Nachricht von dem Pferd der Pariser Garde schiebt, das in wildem Galopp Richtung Bastille ausgebüchst und nicht zu Bremsen gewesen war?

Fünf Wochen fern von München, von zehn Jahren Kamerakino. Der morgendliche Muezzinruf weckt die Erinnerung an eine noch fernere Vergangenheit, die Kindheit nahe der Rennbahn Riem mit der Megaphonstimme in der Luft und den Wettergebnissen über dem ganzen Viertel. Spätestens dort beginnt die Geschichte von Das Weiße Pferd! Zurück in der Stadt beginnt Federico Sánchez erste Spuren für ein Album mit dem Arbeitstitel „Hollywood Hotel“ zu legen, Dreampop in einem Country&Western Setting, Aquariumsmusik für die weite, duftige Prärie. Nichts haben und dennoch über Alles verfügen. Mit oder ohne Geld leben, ohne Geld arbeiten.

Für Albert Pöschl, der gerade auf zehn Jahre Echokammer zurückblickt und noch eine Handvoll Songs in der Schublade hat, eine optimale Ausgangssituation für ein sportliches Angebot. Durch die 69 Tage währende Session eröffnen sich Beide Stück für Stück ein neues Klangland, das bald San Fernando getauft wird. Die Songs werden dort mit einer Mischtechnik, die lo-fi-tracklayering mit professionellster Studiotechnik verbindet, in einer Weise verwässert, die ein atmosphärisch dichtes Soundkonzentrat ergibt.

Nach und nach ziehen geladene Musiker durchs Echokammer-Studio: Relle Büst, Sebastian Mmm und Tom Wu lassen das kurzzeitige Gerücht kursieren man arbeite an der Entstehung eines heimlichen Kamerakino-Albums, nicht zuletzt dank der Mitwirkung vom KK-Gründungsmitglied Dizzy Errol. Doch auch Saam Schlamminger, bekannt durch seine Arbeiten für The Notwist, und Sebastian Kellig von dem Londoner 60ies-Outfit My Drug Hell hinterlassen ihre Handschrift. Wolfi Schlick von den Poets Of Rhythm bringt mit seinem Saxofon noch etwas Sumpffieber rein und ex-Goldene Zitrone Hans Platzgumer legt in seinem Studio am Bodensee bei fast allen Songs Hand an - Cello und Mandoline sorgen für noch mehr Holz.

San Fernando ist auch ein realer Ort – das San Fernando Valley liegt hinter den Hügeln von Hollywood. Um 1969 herum erfinden Musiker der dortigen Szene, Bands wie Crazy Horse oder The Byrds, eine Fusion von Country und Rock während Hollywood mit seinen Spätwestern, Roadtrips und Outlawstorys die alten Freiheitsmythen beschwört und zeitgleich jugendliche Rebellion in den Metropolen von Ost bis West das Gewaltmonopol des Staates auf die Probe stellt. Seit den 70er Jahren ist das San Fernando Valley das Zentrum der amerikanischen Pornofilmindustrie. Jede Woche werden im San Fernando Valley rund 200 Pornofilme gedreht, rund 1.500 Pornodarsteller leben hier. Etwa 200 Filmstudios und Unternehmen der Branche haben ihren Sitz im Tal und erwirtschaften jährlich einen Umsatz von mehreren Milliarden US-Dollar.

Als Alles im Kasten ist, fällt in einer Küche nahe dem Tierpark Hellabrunn der Blick auf ein weißes Plastikpferd das dort auf dem Küchentisch steht wie ein Satori am Ende einer langen Wanderung um uns zu verstehen zu geben was uns da geritten hat:

Tracklist:

1. Everything 2. Soviel Schönheit 3. You Are A Refrain 4. Himmelfahrt 5. Sexuelle Raserei 6. Der Marquez 7. Spanish Mountains 8. MEZ 9. Nothin´ 10. Familie 11. Schüsse 12. Brandnew Toyota 13. Knistern 14. Stranger Than Paradiso 15. Sonntag In Meiner Stadt 16. Girls Around The Corner