The Grexits - Kali Nichta
Ein neues Album von The Grexits…das dritte an der Reihe nach dem gleichnamigen (2017) und For Sale/Πωλείται (2019). Das Cover basiert auf dem gleichen Motiv wie bei den ersten zwei und schließt somit eine vermeintliche Trilogie ab. Die Songtitel auf der Rückseite stehen wieder in griechischer und lateinischer Schrift, jeweils identisch transkribiert, außer zwei (Quasi-)Übersetzungen, nämlich Interview und Das Schiff aus Piräus. Der Opener, One More Ride, ist ein Stück von Gitarrist und Sänger Albert Pöschl, auf Englisch gesungen und voller Entschlossenheit, die Fahrt beginnt. Cool Water, ein Instrumentalstück von Nikos Papadopoulos und mit inspiriertem Gitarrenspiel von Pöschl, kommt als Nächstes, die Band ist gut in Form. Im Interview greift Papadopoulos ein Thema auf, das auch auf der zweiten Platte in anderer Form vorkam (Kati Na Sou Po), nämlich dass man gerade dann viel redet, wenn man eigentlich zuhören sollte. In Ironia wird eine klaustrophobische oder überhaupt ausweglose Situation geschildert, Lichtflut sollte da eigentlich etwas Hoffnung bringen, das ist aber ironischerweise nicht der Fall. Das Schiff aus Piräus stammt aus einer gemeinsamen Studiosession mit G.Rag/Zelig Implosion Deluxxe. Der Sänger/Gitarrist G.Rag schmiedet zu den Klängen des bekannten Schlagers eine Geschichte, in der unter dem Originalmotiv des Schiffes –in der deutschen Textversion- mit der Erwähnung von Prof. Deluxxe und den Grexits beiden Bands ein Ehrenplatz zugewiesen wird. Alle Bandmitglieder spielen mit, zwei Schlagzeuger, Michael Zelig und Josip Pavlov, abgestimmt auf einander, alle haben Spaß, zwei betrunkene Matrosen gehen johlend vorbei, auch ein Ska-Feeling findet seinen Weg ins Fest. Die B-Seite öffnet mit den Geräuschen einer quietschenden Tür, das kann etwas Lustiges oder Unheilvolles bedeuten, je nachdem. Open The Door verbindet den Punk und den Blues, zwei große Lieben der Grexits. Pöschl singt, Pavlov und Papadopoulos tragen mit ihren Stimmen nacheinander dazu bei. Mit Ine Ola Mavra hat man eine Referenz zum Rebetiko, wie man sie aus den anderen Platten der Band kennt. Hier ist es ein ursprünglich im 9/8-Takt geschriebenes Stück, das als Zeibekiko getanzt wird, zu einem instrumentalen Surf-Stück umgewandelt, dessen Herkunft nicht unbedingt sofort auffällt. Interview (Reprise) ist auf die Basics reduziert und gibt Raum für Gitarrenimprovisation. Auch ein Traum braucht realen Raum. Don´t Want To Know If You Are Lonely ist ein Punk-Klassiker, ein in der Original-Version wuchtiger melodischer Punk/Hard-Core-Song von den einzigartigen Hüsker Dü, hier in einer minimalistischen Version, die nur zum Schluss etwas von der urspünglichen Gestalt des Stücks erahnen lässt. Bei Alleine zu zweit sind wieder die zwei befreundeten Bands in gemeinsamer Aktion zu hören. Eine während derselben Aufnahmesession wie Das Schiff… entstandene Komposition, der Bass von Simon Dieu steht gebührenderweise im Vordergrund, das Ganze wurde von Pöschl etwas schneller gepitcht. Zum Abschluss wieder ein von beiden Bands gespieltes Stück, diesmal eins von Papadopoulos, das ursprünglich, zumindest auf den Konzerten, gesungen wird. Den Gesang wollte man nachträglich einbauen, aber der Klang des Keyboards von Fritz Schüpferling bzw. Prof. Deluxxe, der die Gesangsmelodie spielt, wurde als so schön empfunden, dass man für die Stimme eine sprechende, fast flüsternde Vortragsweise für passender hielt. Dass dabei der Text im zweiten Lauf auch im Reverse-Modus für jemanden, der kein Griechisch versteht, trotzdem griechisch klingt, führte dann zum bis dahin nicht vorhandenen Titel It´s All Greek To Me. Das Album heißt Καληνύχτα, ausgesprochen Kalinichta, d.h. gute Nacht, ein Abschiedsgruß, wenn man auf dem Weg nach Hause ist oder einfach schlafen geht. Ob dabei die Nacht draußen oder ein schleichendes Gefühl von Finsternis gemeint ist, die Frage bleibt offen.

